|
Suedkurier 13.09.2005 04:54
Er mag die Menschen und die Politik
Harald Georgii (SPD) will in die Fußstapfen von Rudolf Bindig treten
Friedrichshafen
Wenn man die Menschen mag, dann ist Politiker zu sein der richtige
Beruf", meint Harald Georgii und schmunzelt. Der 38-Jährige hat sich
für diesen Weg entschieden. Am 18. September tritt der gebürtige
Ravensburger für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) als
Bundestagskandidat für die Region Bodensee-Oberschwaben an.
"Mein
Vorgänger Rudolf Bindig hat hohe Maßstäbe gesetzt", weiß er und zeigt
sich keineswegs entmutigt. Auch dass er mit seinem Listenplatz Nummer
31 keine allzu großen Chancen auf einen wirklichen Einzug als
SPD-Mitglied im Deutschen Bundestag hat, lähmt seinen Kampfgeist nicht.
"Ich kämpfe für die Sache und für die Menschen in unserem Land", ist
seine Devise.
"Ich habe mich immer für viele Dinge interessiert,
auch für Politik und Kirchenpolitik", erzählt er. Schon während seiner
Schulzeit im Welfengymnasium Ravensburg engagierte er sich in der
evangelischen Jugendarbeit. Seinen Zivildienst absolvierte Georgii im
Württemberger Hof in Ravensburg, einer Anlaufstelle für Obdachlose. "Da
habe ich gelernt, dass nicht alle in so behüteten Verhältnissen leben
wie ich selbst."
1987 ist Harald Georgii im Alter von 20 Jahren
in die SPD eingetreten. "Ein entscheidender Knackpunkt in meinem Leben
war die Reaktorkatastrophe in Tschernobyl", erinnert er sich. Schon
damals sei er überzeugt für den Umwelt- und Naturschutz eingetreten.
"Ich verzichtete sogar auf den Führerschein, um die Umwelt nicht mit
meinen Autoabgasen zu belasten, und lernte mit Pudelmütze im eiskalten
Zimmer auf meine Prüfungen, um Heizmaterial zu sparen." Georgii
erkannte, dass "wer wirklich etwas bewegen und erreichen will, sich
organisieren muss". In kurzer Zeit wurde er in den Ortsvereinsvorstand
gewählt, wurde Juso-Kreisvorsitzender und hatte Kontakt zu den
Landespolitikern. "Damals lernte ich auch Rudolf Bindig kennen",
erzählt er. Sein Studium der Rechtswissenschaften führte ihn nach
Heidelberg, Köln und Paris, wo Georgii europäisches und französisches
Verfassungsrecht studierte. "Alles auf französisch - natürlich fiel mir
das schwer", erinnert er sich. Doch entmutigen ließ er sich nicht: "Ich
las fleißig jeden Tag französische Zeitungen, ging viel in die
Bibliothek und lernte." Nach seinem Examen in Köln wählte Harald
Georgii als Wahlstation in seinem Referendariat die SPD-Fraktion im
Deutschen Bundestag. Und er blieb auch dort. "Seit 1996 arbeite ich nun
in unterschiedlichen Funktionen für den Deutschen Bundestag", meint er
und nennt die Bereiche Haushalt und Finanzen sowie Verfassungsrecht.
Auch bezüglich der Arbeit von Ministerien und in einigen Ausschüssen
sammelte er "wertvolle Erfahrungen". "Vor allem von Herta
Däubler-Gmelin habe ich viel gelernt", erzählt Harald Georgii dankbar.
Nicht
zuletzt wegen seiner Liebe zur Region Bodensee-Oberschwaben hat Georgii
sich für eine Bundestagskandidatur entschieden. Seine Eltern und
Geschwister leben hier und so werde er regelmäßig mit Informationen aus
dem Süden der Republik versorgt. "Die Region liegt mir am Herzen",
betont er und nennt als Schwerpunktthemen für eine politische Arbeit im
Bundestag die Bereiche "Verkehrspolitik" sowie "Vereinbarkeit von Beruf
und Familie". In beiden Bereichen gebe es in den Landkreisen Ravensburg
und Sigmaringen sowie im Bodenseekreis noch Defizite. Als wichtige
Verkehrspunkte, die es dringend umzusetzen gelte, nennt Harald Georgii
die Elektrifizierung der Südbahn und den Ausbau der B31 Süd in Richtung
Friedrichshafen. Im Bereich Familienpolitik möchte sich der SPD'ler vor
allem für eine flächendeckende Kinderbetreuung in der Region
Bodensee-Oberschwaben einsetzen. Und nicht zuletzt sind ihm auch
Umwelt- und Naturschutz weiterhin wichtig. "Ich kämpfe für den Erhalt
unserer einzigartigen Landschaft."
Barbara Müller

Wahlkampf in Überlingen am Bodensee mit Karin Roth
|