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Jetzt nicht die Steuern senken
   
Beschluss der SPD Friedrichshain-Kreuzberg

Der Landesparteitag möge beschließen:

zu der aktuellen Diskussion über eine Steuerreform

Die sozialdemo­kratischen Mitglieder des Deutschen Bundestages und der Bundesfinanzminister werden aufgefordert,

  1. einer weiteren Absenkungen der Einkommensteuersätze nicht zuzustimmen,
     

  2. finanzielle Spielräume in den öffentlichen Haushalten zu nutzen, um durch Zuschüsse an die Sozialversicherungen deren Beiträge zu stabilisieren oder abzusenken bzw. das Leistungsangebot nicht weiter auszuhöhlen und
     

  3. finanzielle Spielräume in den öffentlichen Haushalten zu nutzen, um öffentliche Investitionen zu tätigen.

Begründung

In den beiden vergangenen Wahlperioden des Deutschen Bundestages wurden von Rot-Grün die Sätze der Einkommensteuer deutlich abgesenkt. Vor allem die Bezieher höherer Einkommen wurden durch die Absenkung des Spitzensteuersatzes erheblich entlastet. An der brutalen Blockadepolitik der Unionsvertreter im Bundesrat scheiterte damals die Gegenfinanzierung der Entlastung durch das von Hans Eichel eingebrachte Steuervergünstigungsabbaugesetz. Bedauerlicherweise konnten erst in der laufenden Wahlperiode Steuerschlupflöcher und nicht mehr zeitgemäße Steuersubventionen abgeschafft werden.

Die von CDU und CSU verschuldete Verzögerung bei der Gegenfinanzierung riss gewaltige Löcher in die Öffentlichen Haushalte. Bezahlen müssen dies all diejenigen, die auf Leistungen der Öffentlichen Daseinsvorsorge angewiesen sind, weil deren Angebot durch den Sparzwang eingeschränkt wurde. Bezahlen müssen auch die Verbraucher, die eine Umsatzsteuererhöhung (Merkelsteuer) hinnehmen mussten. In der gleichen Zeit ist der Leistungsumfang der Sozialversicherungssysteme eingeschränkt worden, ohne dass die Beitragszahler nennenswert entlastet worden wären.

Mit Rücksicht auf die angespannte Finanzlage wurden die öffentlichen Investitionen in den vergangenen Jahren abgeschmolzen. Teilweise wurde mittels Privatisierung desinvestiert. Gerade erst hat die große Koalition beschlossen, die Deutsche Bahn mit der Begründung teilweise zu privatisieren, die erforderlichen Investitionen seien aus öffentlichen Haushalten nicht zu finanzieren, weil kein Geld da sei.

Mit Sorge verfolgt die SPD Berlin daher die aktuelle Diskussion um eine weitere Absenkung der Einkommensteuer.

  • Vorrang vor Steuersenkungen haben Investitionen in Bildung und Infrastruktur.
     

  • Die Belastung mit direkten Steuern in Deutschland ist im internationalen Vergleich nicht mehr hoch. Aus Wettbewerbsgründen besteht kein Bedarf für eine Absenkung des Tarifs.
     

  • Eine weitere Entlastung bei der Einkommensteuer kommt vor allem Beziehern größerer und großer Einkommen zugute.
     

  • Kleine und mittlere Einkommen profitieren erheblich mehr von einer Absenkung der Sozialbeiträge als von einer Einkommensteuerabsenkung.
     

  • Seit der Erhöhung auf 19 Prozent werden kleine und mittlere Einkommen vor allem durch die Umsatzsteuer belastet.

Sollte es trotz der weiter erforderlichen Haushaltskonsolidierung und dem Bedarf für Investitionen in Bildung und Infrastruktur finanzielle Spielräume für eine Entlastung der Bürgerinnen und Bürger geben, hat diese vorrangig über eine Stabilisierung der Sozialversicherungssysteme und möglichenfalls über eine Absenkung der Beitragssätze zu erfolgen.

 

 
 
 

Harald Georgii, Jurist Regierungsdirektor

geboren am 18.3.1967 in Ravensburg. Zivildienst in einer Einrichtung für Obdachlose und Nichtsesshafte. Studium der Rechtswissenschaften in Heidelberg, Paris und Köln.

Seit 1996 beim Deutschen Bundestag, u.a. im Bereich Haushalt und Finanzen, Verfassungsrecht und in Untersuchungs- ausschüssen.

Vor Ort engagiert als Vorsitzender der SPD Kreuzberg 61 und Mitglied mehrerer lokaler Initiativen.

 
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